Quizsendungen sind auch 2022 noch eine Männerdomäne

Wie viele TV-Quizsendungen in Österreich und Deutschland werden von Frauen moderiert?
Wie viele TV-Quizsendungen in Österreich und Deutschland werden von Frauen moderiert?

Hast du dich auch gleich von dieser Art der Fragestellung angesprochen gefühlt? War da ein Reiz, der dich unbewusst zum Nachdenken anregte? Quizsendungen sind so alt wie das Fernsehen und werden dem linearen Fernsehen wohl auch sein Überleben sichern. Im Quotenrennen sind Quiz Shows immer auf den vorderen Plätzen zu finden. Ganz gleich, ob sie »Millionenshow«, »Wer wird Millionär« oder »Wer weiß denn sowas« heißen.

Unumstößliches Konzept

Das Konzept einer solchen TV-Quizsendung ist in Grundzügen so gut wie unumstößlich: Es gilt Wissensfragen zu beantworten. Bewerber:innen werden ausgewählt, um in der Sendung als Kandidat:innen zu fungieren. Die Sendung selbst ist in sich abgeschlossen oder in manchen Fällen für einen Tag oder eine Woche unterbrochen. Aus zeitlichen, finanziellen und einigen anderen Gründen werden diese Sendungen an einem Tag aufgezeichnet, jedoch zeitversetzt gesendet.

Lorbeerkranz für den Wissensnachweis

In der Steinzeit der Fernsehunterhaltung mag das anders gewesen sein. Sendungen wurden damals live ausgestrahlt, aber selten aufgezeichnet. Was gleich geblieben ist, ist der Drang der Kandidat:innen, ihr Wissen prüfen zu lassen. Am Ende winkt dann meist ein Geld-, seltener ein Sachpreis, und natürlich die Ehre der Zuschauer:innen als Lorbeeren für die Leistung, einen Wissensnachweis erbracht zu haben. Ebenfalls unverändert ist die Tatsache, dass eine solche Quiz Show von einem Quizmaster geleitet wird. Allein diese Bezeichnung schließt Frauen für die Moderation vermutlich schon von Vornherein aus.

Frauen gelten offenbar als zu dumm

Es fragt sich nur: Warum muss das so sein? Die Frage richtet sich nicht gegen Männer im allgemeinen. Sie ist einfach wieder einmal der Gleichberechtigung oder Gleichstellung geschuldet, die hier (wie etwa auch in der Sportberichterstattung) schmerzlich vermisst wird. Warum gelten Frauen von Vornherein als ungeeignet oder gar zu dumm für die Rolle einer Quizmasterin? So, da ist es. Jetzt habe ich diese Bezeichnung in den Ring geworfen. Er fühlt sich auch gar nicht falsch an, sondern einfach nur ungewohnt.

Die guten Quizonkel

Es ist aber auch wenig verwunderlich, denn populäre Quizsendungen wurden einfach immer schon von Männern moderiert. Gerade so, als wäre es ein unumstößliches Naturgesetz. Der erste Quizmaster Europas war mit dem legendären Max(i) Böhm übrigens ein Wiener. Würde es einer Wertung bedürfen, könnte man sagen, dass die »Quizonkel« ihre Sache ganz gut gemacht haben. Entscheidend war bei den – eben von Männern moderierten – heute weniger bekannten österreichischen Sendungen wie »Quiz in Rot-Weiß-Rot«, »Made in Austria« oder »Quiz Einundzwanzig« lediglich die Gunst der Zuschauer:innen. Sie wurden aufgrund sinkender Quoten irgendwann eingestellt.

Mansplaining vom Quizmaster

Das lag vielleicht nicht an den Präsentatoren, sondern an der rasch abgenutzten Richtung des Formats. Es beantwortet aber immer noch nicht die Frage, weshalb fast ausschließlich Männer dafür in Frage kommen sollten. Heutzutage hat es etwas von Mansplaining, wenn mir ein Mann eben nicht nur eine Quizfrage stellt, sondern mir dann auch noch die richtige Antwort liefert. Das wirkt ganz so, als wüsste er die Lösung tatsächlich, auch wenn sie vielleicht von einer unbekannten Redakteurin zuvor recherchiert worden und ihm auf sein Moderationskärtchen geschrieben worden war.

Macht Platz für Frauen!

Ja, es ist gut und richtig, dass Männer Quizsendungen moderieren. Aber doch nicht alle! Hin und wieder eine Moderatorin einzusetzen, wie vor Jahrzehnten etwa Johanna von Koczian bei »Erkennen Sie die Melodie!« oder Barbara Stöckl zu Beginn der »Millionenshow« reicht hier nicht aus. Es ist nicht ausgemacht, dass Frauen – wie auch Männer – keine weiblichen Quizmaster sehen wollen. Sie werden uns einfach nicht geliefert.

Eine Auswahl aktueller TV-Quiz-Sendungen

„Die Millionenshow“ – ORF1 – Armin Assinger

„Q1“ – ORF1 – Oliver Polzer

„Quizduell“ – ARD – Jörg Pilawa

„Gefragt Gejagt“ – 3. Programme der ARD – Alexander Bommes

„Wer weiß denn sowas“ – ARD – Kai Pflaume

„Meister des Alltags“ – ARD – Florian Weber

„Let the music play – Das Hit-Quiz“ – Sat 1 – Amiaz Habtu

„Wer wird Millionär“ – RTL – Günter Jauch

„Wer stiehlt [wechselnder Promi] die Show“ – Pro7 – Joko Winterscheidt

„Quizmaster“ – ServusTV – Andreas Moravez

„Quizjagd“ – ServusTV – Florian Lettner

„Buchstaben Battle“ – Sat1 – Ruth Moschner

Treffen wir einander in den nächsten Woche wieder, wenn wir uns fragen:

Warum gehören Frauen daheim »hinter den Herd«, aber in der Fernsehküche dürfen die Männer den Ton angeben?!

Wieso greift der ORF für seine Kabarett-Sendungen so gerne ausschließlich auf Männer zurück?

(Die dann übrigens auch beim »Kleinkunstgipfel« in München auftreten dürfen. Lustige oder kritische Frauen müssen leider draußen bleiben!)

Update 10. März 2022: Die Sendung mediasres hat das Thema am Ende eines von einem Mann gestalteten Beitrags mit ausschließlich männlichen Interviewpartnern kurz aufgegriffen.

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