Frauenfeindlicher Umgang mit Sportlerinnen in Österreich

Von Frauen im Sport war in diesem Jahr kaum einmal die Rede. Athletinnen wurden in den vergangenen sieben Monaten von als seriös deklarierten Medien großteils nicht einmal ignoriert. Es war, als gäbe es sie gar nicht. Anders ist es ihren männlichen Gegenübern ergangen. Obwohl auch sie mit den Corona-Maßnahmen zurechtkommen und pausieren mussten, fanden sie Eingang in die Berichterstattung. Ganz so, als wäre Sport ausschließlich männlich konnotiert und für Frauen ohnehin uninteressant. Warum aber werden Sportlerinnen derart gezielt aus der öffentlichen Wahrnehmung gedrängt und welche Lösung gibt es?

Die Ski-Weltcup-Saison 2020/2021 ist eröffnet. Unter schwierigen Voraussetzungen und so früh wie nie war Sölden am Wochenende traditionell Schauplatz der ersten Riesentorläufe dieses Skiwinters. Und sieh an: Die Skirennläuferinnen waren plötzlich wieder Thema! Da die Frauen wie üblich den Ski-Weltcup in Sölden mit ihrem Riesenslalom einläuteten, kamen Medien auch gar nicht an ihnen vorbei. Bezeichnend war aber auch, was rundum geschah.

Frauen müssen draußen bleiben

Beim ORF fühlte man sich als Zuseherin ins Jahr 1992 zurückversetzt. Eine Frau und ehemalige Sportlerin durfte lediglich co-kommentieren. Kommentiert aber wurde das Damenrennen von einem Mann. Und auch bei den Interviews im Ziel verzichtete der Öffentlich-rechtliche Rundfunk auf eine Sportjournalistin und überließ das Feld einem langgedienten Reporter. Damit stand der österreichische Rechteinhaber aber nicht allein da. Auch beim SRF durfte ein Mann kommentieren. Bei Eurosport waren es gar gleich zwei Männer. Dieser Logik gehorchend, hätte der Herren-Riesentorlauf tags darauf von Frauen kommentiert werden müssen. Wäre dem so gewesen, hätte sich dieser Beitrag erübrigt. Tatsächlich aber wurden bei den Herrenrennen – zumindest vom ORF – gar keine Frauen eingesetzt.

Die Sportberichterstattung an sich ist vielfach ergebnisorientiert. Es geht im Hinblick auf die Information natürlich um Vorberichte und um das Ereignis selbst. Wenn es das Ergebnis hergibt, wird es aber ausgeschlachtet, also »ausgiebig analysiert«. Angesichts dessen, wie Sportlerinnen ausgespart werden, überraschen daher auch diese vor allem auf die Sportler fokussierten Analysen kaum, wie etwa hier und hier (übrigens von einer Frau verfasst). Begründet wird das damit, dass die Skiherren ihr bislang schlechtestes Sölden-Ergebnis noch einmal unterboten hatten. Ein Argument, das allerdings nur schwer hält, denn auch die Frauen schnitten diesmal so schlecht ab wie nie zuvor.

Keine Hilfe von der Politik

Die Politik tut ihr Übriges. Es gibt in Österreich keine Anzeichen für Schritte, dass Athletinnen für ihren Broterwerb ebenso gerecht bezahlt werden sollen, wie Athleten. In diesem Jahr hat die Politik tatenlos zugesehen, als der ÖFB den Sportbetrieb bei Fußballerinnen Corona bedingt sogar um einiges rascher einstellte, als bei Männern. Ganz so, als wären sie Covid-19 stärker ausgesetzt als Fußballer oder wüssten sich nicht dagegen zu wappnen. Das blieb nicht ohne Kritik, wie hier und hier. Wobei es nicht darum geht, die Absicht anzuzweifeln, Sportlerinnen und deren Betreuer:innen schützen zu wollen, sondern lediglich um die augenscheinliche Ungerechtigkeit. Weil Männersport (speziell durch Medien) mehr Aufmerksamkeit erhält, ist er als Wirtschaftsfaktor interessanter und wird entsprechend bevorzugt behandelt.

Seit Jahrzehnten und ganz verstärkt in den vergangenen Jahren wird auf die Situation von Sportlerinnen in Österreich hingewiesen. Man bedenke etwa die Diskussion um die für Sportlerinnen nicht nachvollziehbaren zu ihren Lasten geänderten Kriterien der Sporthilfe. Diskriminierung von Frauen dürfte ausgerechnet bei der Organisation, von der sich Sportlerinnen Unterstützung erwarten, als etwas Selbstverständliches angesehen worden sein. Ebenfalls seit Jahren sehen sich die Großklubs der Forderung ausgesetzt, endlich ein Frauenfußballteam zu installieren. Was diese ebenso lange geflissentlich überhören.

»Die Frauen könnten sich ja dagegen wehren«

Derartige Benachteiligungen sollte eine westliche Gesellschaft im vergangenen Jahrhundert gelassen haben. Was bei jedem Hinweis auf diese Ungerechtigkeit folgt, ist, dass sich Sportlerinnen doch dagegen wehren könnten. Das vermisst aber das ganze Bild. Denn am Sport interessierte Frauen und Sportjournalistinnen machen genau das. Aber ganz gleich, ob Politik oder Berichterstattung: Die Entscheidung und damit die Machtbefugnis liegt hier bei Männern. Nur in einigen wenigen Sportressorts sind auch Journalistinnen »erlaubt«. Das bedingt, dass die dort arbeitenden Männer Information für ihresgleichen liefern. Frauen haben sie nicht am Schirm oder es interessiert sie schlichtweg persönlich nicht, auch ihnen Aufmerksamkeit zu schenken.

Dass Frauensport LeserInnen, SeherInnen oder HörerInnen nicht interessiert oder zu langsam ist, ist als Argument überholt. Vielmehr könnte man anhand der Einschaltquoten interpretieren: Manche verschoben ihre Shoppingtour am Samstag, um sich das Damenrennen anzusehen und hievten es so in die Top-3 der TV-Quoten. Die geschlossenen Geschäfte am Sonntag sorgten wiederum dafür, dass sich viele beim oder nach dem Mittagessen den Herren-Riesentorlauf ansahen und damit den Skiherren zu einem Hoch verhalfen, das diese sportlich vermissen (lassen).

Quelle: Arbeitsgemeinschaft Teletest
Quelle: Arbeitsgemeinschaft Teletest

Was aber wäre die Lösung?

Zum einen müssten am Frauensport Interessierte lauter auftreten. Das betrifft nicht ausschließlich Frauen. Denn bei derart hohem Zuschauerinteresse ist nicht anzunehmen, dass sich nur Frauen etwa das Damenrennen angesehen haben. Jene, die in Online-Netzwerken, wie Twitter, Instagram oder Facebook über eine hohe Anhängerschaft verfügen, könnten sich etwa in den Dienst der Sache stellen und Sportlerinnen Aufmerksamkeit schenken. Im besten Fall könnten sie sich als MultiplikatorInnen erweisen und deren Inhalte teilen.

Zum anderen müssten Sportressorts im 21. Jahrhundert ankommen. Statt der sattsam bekannten »alten weißen Männer« vor allem in Print- und Online-Redaktionen großer Tageszeitungen sowie im ORF sollten auch jene zum Zug kommen dürfen, die Ahnung von Sport haben – und Frau sind. Wozu gibt es etwa den morgen wieder beginnenden eigenen Sportjournalismus-Lehrgang an der Uni Salzburg, wenn Frauen der Weg in diese Tätigkeit gezielt versperrt wird? Sobald sie dort ankommen, sollen sie aber auch die Möglichkeit haben, über Frauensport zu berichten und nicht von den mehrheitlich männlichen Ressortmitgliedern überstimmt werden, die ausschließlich über Männersport berichten wollen.

Nicht zuletzt sind aber auch Wirtschaft und Politik gefordert. Die Politik sollte die Weichen für eine gerechtere Gesellschaft stellen. Und das schließt den Sport wohl fraglos ein. Werbepartner wiederum sollten den Mehrwert für sich schon lange erkannt haben. Sie sollten gezielt mit Frauenteams oder Einzelsportlerinnen zusammenarbeiten und das als fortschrittlich kommunizieren.

Wie siehst du den Umgang mit Frauensport in Österreich? Welche Lösung für mehr Wahrnehmung könnte es geben? Schreib mir deine Antwort gerne in die Kommentare.

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