Am Podcast-Welttag dürfen die Frauen ganz nach vorne

Für PodcasterInnen ist heute ein Feiertag. Am International Podcast Day feiert sich die immer größer werdende Community ein klein wenig selbst. Vor allem aber dient der Aktionstag dazu, dass sich PodcasterInnen einer größeren Öffentlichkeit präsentieren.

Meine Schwäche sind Medien-Podcasts – oder besser: in Mediatheken abrufbare Radio-Sendungen. Ich denke, ich kenne jedes deutschsprachige Medienmagazin, das es auch zum Nachhören gibt.

Es ist fast wie damals als Kind. Kannte ich seinerzeit das Fernsehprogramm »auswendig«, wie meine Familie meinte – es gab damals nur FS1 und FS2 – so kenne ich heute die Beginnzeiten der Medienmagazine. Montag bis Donnerstag läuft nachmittags »Mediasres« beim Deutschlandfunk. Bis vor wenigen Wochen gab es am Donnerstagabend bei Deutschlandfunk Nova das kürzlich eingestellte »Eine Stunde was mit Medien«. An jedem ersten Freitag im Monat läuft abends »Doublecheck« bei Ö1. Der Samstag wird sogar intensiv bespielt. Und zwar vormittags von »Töne Texte Bilder« auf WDR5, mittags von »Breitband« auf Deutschlandfunk Kultur und abends dann vom »Medienmagazin« auf radio eins vom rbb. All das lässt sich auch noch Tage später als Podcast in den Mediatheken und gängigen Podcast-Plattformen nachhören.

Das aufzuschreiben, macht die Schieflage noch ein wenig deutlicher: Es sind – bis auf eine Ausnahme – alles deutsche, aber keine österreichischen Medien-Podcasts. Sollte jemand Interesse an einer Zusammenarbeit haben: Ich sehe mich bereit, diese Lücke zu füllen!

Das ist aber ohnehin nur das, das angesichts der erwähnten Radiosender sichtbar ist. Weniger bekannt ist, dass zwei dieser Magazine ausschließlich von Männern und zwei weitere von Paaren moderiert werden. Zwei weitere Sendungen haben wechselnde Moderatoren. Ein Medienmagazin, das durch eine Moderatorin gebrandet ist, gibt es im deutschen Sprachraum nicht.

– An dieser Stelle nochmals: Siehe oben!

Auch Frauen machen Podcasts

Ich höre diese Sendungen wegen ihres Inhalts, nicht wegen der ModeratorInnen. Es stößt mich mittlerweile aber ab, wenn auch die Interviewgäste durchwegs Männer sind. Grund für die Wahl der Interviewpartner ist – wie auch an anderen Stellen – dass Verantwortliche im Medienbetrieb in der Mehrzahl männlich sind. Für mich war diese geringe Anzahl an Frauen der Anlass, mich zu fragen: Welche – richtigen, echten, unabhängigen – Podcasts werden in Österreich von Frauen gemacht? Und zu welchen Themen? Für den heutigen Welttag des Podcasts habe ich mir einiges angehört oder nachgehört und weiter unten eine kleine Liste für dich zusammengestellt.

Was macht einen Podcast gut? Ganz oben steht weniger der Inhalt, als die technische Qualität. Kaum jemand würde knackende Schellacks über Kopfhörer zu hören, wenn sie oder er auch reinen Klang ans Ohr bekommen kann.

Welche Voraussetzungen es für die Aufzeichnung eines Podcasts braucht, habe ich auch bereits in einem früheren Blogpost geschrieben. Für den Inhalt kann sich die Hörerin oder der Hörer dann auch interessieren, wenn er gut präsentiert wird – stimmlich wie technisch. Zusätzlich hält sich allerdings immer noch hartnäckig der weit verbreitete Irrglaube, dass ausschließlich Männer die Expertise hätten. Gut ausgebildete, lebenserfahrene oder engagierte Frauen haben genauso ein Anrecht, gehört zu werden. Dieses Recht nehmen sie sich mit Podcasts.

Von großen Töchtern und Heldinnen

Leider sind es immer noch zu wenige. Daher jetzt zu den von mir gehörten Frauen-Podcasts – und das in loser Reihenfolge: Auf der Suche nach Podcasts von Frauen landet eins als erstes bei Gesprächen von Frauen mit Frauen. Entsprechend sind auch die Inhalte. Wer jetzt an Make Up, Kleidung und Männer denkt, liegt allerdings falsch. Es geht beispielsweise um »Große Töchter« und »Heldinnen«. Beides Begriffe, die der Medienbetrieb gewöhnlich nicht kennt.

Große Töchter kannte ich natürlich durch die Tweets von dessen Macherin, der geschätzten Beatrice Frasl. Ich hatte ihn mir bisher aber noch nicht angehört und nahm dieses Blogpost zum Anlass, dem endlich eine Chance zu geben. Er ist angenehm unaufgeregt und informativ. Meine Empfehlung: Den Podcast von der ersten Folge an zu hören. In mir hat er bereits eine neue Stammhörerin gefunden.

Jeannes Heldinnen ist ein mittlerweile eingestellter Podcast, dessen Staffeln aber immer noch abrufbar sind. Nach eigenen Angaben war es der erste Podcast in Österreich, der sich ausschließlich Frauen widmete. Nach 43 Gesprächen war allerdings Schluss. Nicht etwa, weil es keine Heldinnen mehr gab oder die Idee des Podcasts, dass Frauen in der österreichischen Medienlandschaft zu wenig vorhanden seien, nicht mehr galt. Vielmehr wandte sich die Podcasterin einem anderen Thema zu – der Philosophie.

Darf sie das? muss wohl nicht groß vorgestellt werden. Nicole Schöndorfer widmet sich in ihrem Podcast feministischen Themen, die seit Jahrzehnten diskutiert werden, obwohl es über gleiche Rechte für Frauen und Männer, Sexismus, Misogynie oder Gewaltschutz für Frauen keine Diskussion mehr geben sollte. Sie hält diese Themen damit weiter auf der Agenda und macht sie somit sichtbar – oder besser hörbar.

Erzähl mir von Wien habe ich vor einigen Monaten erstmals gehört. Wer zwei Frauen auf Spaziergängen durch die Stadt folgen möchte, ist hier genau richtig.

Falls du weitere hörenswerte Podcasts von Frauen kennst, schreib sie mir doch in die Kommentare, damit sie ihre verdiente Reichweite bekommen.

Nachtrag (2. 10. 2020): „Eine Stunde was mit Medien“ auf DLF Nova wurde lediglich als Radioformat eingestellt. Aufgrund von Crowdfunding existiert es als eigenständiger Podcast „Was mit Medien“ mit den gleichen Moderatoren weiter. Zu finden auf gängigen Podcast-Plattformen.

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