Wenn der Kiefer stressbedingt zwickt

Teilnehmer:innen des seit bald einem Jahr bestehenden Online-Workshops »Ich hole mir die Kontrolle« wissen es natürlich längst: Beim Sprechen ist der ganze Körper beteiligt! Wenn es irgendwo zwickt, ist das beim Sprechen zu hören. Körperliche Probleme gilt es selbstverständlich immer medizinisch abklären zu lassen! Wenn sich dabei jedoch herausstellt, dass Stress oder Überlastung die Ursache ist, lässt sich oft schon mit einfachen Übungen dagegen wirken. Im Folgenden eine kürzlich schmerzhafte Erfahrung und ein paar Tipps für den Kiefer.

An dieser Stelle wird es kurz ein bisschen persönlich. Seit Beginn der Pandemie vor gut einem Jahr begleiten mich diverse Zipperlein, also Wehwehchen. Manches war schlimmer als anderes und mit mehr Schmerzen verbunden. Nichts davon war lebensbedrohlich, aber dennoch eine merkbare Einschränkung der Lebensqualität. Zuletzt machte mir plötzlich mein Kiefer zu schaffen. Es war bei Berührung druckempfindlich und ich befürchtete, dass ein kaputter Zahn dafür verantwortlich sein könnte. Das war für mich derart ungewöhnlich, dass ich eine Zahnärztin aufsuchte. Ich wollte wissen, ob mir mein Kopf wieder einen Streich spielte und die Psyche einen Kanal für meine Ängste suchte oder ob mir tatsächlich etwas fehlte. Ich will dich nicht länger auf die Folter spannen: Es war ersteres!

Es geht mir seit Monaten wie vielen anderen auch. Aufgrund falscher Haltung rebelliert mein Körper. Dazu gehört etwa längeres Sitzen im Home Office, wo es vielfach vom Schreibtisch zum Sofa geht und wieder zurück. Mitunter kommt auch psychische Belastung durch fehlende Sozialkontakte und Zukunftsängste hinzu.

In meinem Fall konnte mir die Zahnärztin bestätigen, dass alles in Ordnung war und meine Zähne toll gepflegt seien. Sie verriet mir aber auch, dass ich nicht die erste Patientin mit derartigen Symptomen sei. Kieferschmerzen durch Verkrampfung würden in ihrer Praxis in jüngster Zeit häufiger vorkommen. Denn, während man sich monatelang in Resilienz übt, nach außen hin gelassen wirkt und sich selbst auch so fühlt, nimmt der Körper die unbewusste persönliche und gesellschaftliche Anspannung auf und reagiert darauf.

Die gute Nachricht: Wenn sich Belastung auf den Kiefer auswirkt, muss man sich dem nicht ergeben, sondern kann aktiv dagegen vorgehen. Versuche es mit folgenden Übungen, die du übrigens auch gerne vorbeugend machen kannst:

Kiefer schütteln
Schulterbreit hinstellen, den Kopf locker hängen lassen und leicht schütteln, als wolltest du etwas verneinen. Der Unterkiefer schwingt dabei locker hin und her.
Kiefer massieren
Den Mund leicht öffnen. Links und rechts jene Stelle suchen, an der der Kiefer eingehängt ist, den Kiefer ganz langsam hin- und herbewegen und die Stelle sanft massieren.

Keine schnellen Bewegungen und kein fester Druck, wenn es um den Kiefer geht!

Ganz wichtig und deshalb noch einmal zur Wiederholung:

1. Kieferschmerzen abklären lassen

2. Wenn eine Verspannung vorliegt: die oben erwähnten Übungen machen

Weitere Übungen zur Entspannung des Kiefers gibt es übrigens im nächsten Newsletter, dem medienmuse Infoblatt für März.

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