Warum werden keine Journalistinnenpreise nach Frauen benannt?

Brille auf Zeitungsstapel

In regelmäßigen Abständen beklagen Branchenfremde die inflationäre Zahl an Journalistenpreisen in Österreich. Und das ganz besonders auf Twitter und in Online-Foren. Ich bekenne, dass ich mich nicht sehr um die Preise und die Aufregung darüber kümmere. Wenn ich als Journalistin einen Hinweis auf einen solchen Preis zugesandt bekomme, trägt dieser meist den Namen eines Mannes – und richtet sich vornehmlich an Print-JournalistInnen. Damit schwindet auch schon meine Aufmerksamkeit. Jetzt soll es einen neuen Journalismuspreis geben. Wieder in Erinnerung an einen Mann. Da stellt sich die Frage: Warum ist bei einer derart großen Anzahl an JournalistInnenpreisen nur einer nach einer Frau benannt?

Wer sich in Österreich für Medien interessiert, kommt nicht an der Etat-Rubrik des Standard vorbei. Heute fand sich dort die Information, dass es einen neuen Preis zu Ehren Claus Gatterers geben soll. Vielen ist der Eklat wohl noch in Erinnerung, um die vom Blogger Markus Wilhelm öffentlich gemachte Finanzierung des vom ÖJC vergebenen Preises. Ich erinnere mich jedenfalls daran und auch daran, dass ich mich freute, als die Mitgründerin von Wir Frauen im Sport, Nina Strasser, im Jahr zuvor den Preis erhalten hatte.

Claus Gatterer war bemerkenswert. Das ist unbestritten. Die Überlegung in diesem Text richtet sich auch nicht gegen ihn als Person und auch nicht gegen all die anderen Männer, nach denen JournalistI nnenpreise benannt sind. (Und wie ein Schnellcheck zeigt: Es sind viele!) Er wirft einfach nur die Frage auf, wieso Frauen neben vielen anderen Bereichen, wie etwa bei der Benennung von Straßen oder dem Aufstellen von Denkmälern, auch als Namensgeberinnen für Preise übersehen werden.

Das sind nur einige der nach Männern benannten Preise in Österreich. Man könnte jetzt einwenden, dass die meisten Preise ohnehin sehr allgemein bezeichnet sind und Männer jahrzehntelang den Journalismus dominierten. Allerdings gab es auch schon vor 100 oder 120 Jahren immer wieder Frauen, die journalistisch arbeiteten. International wäre da etwa die US-Amerikanerin Nellie Bly zu erwähnen. In Deutschland ist es Erika Mann, die unter vielen anderen Tätigkeiten auch Kriegsreporterin war. (Ihr ist derzeit eine Online-Ausstellung gewidmet. )

TV-Kamera

Tatsächlich gibt es Preise, die unmittelbar für feministische Arbeit und Sichtbarmachung von Frauen vergeben werden. Wie etwa der in der Vergangenheit verliehene Wiener Journalistinnenpreis des Frauennetzwerks Medien In Deutschland gibt es etwa die »Hedwig-Dohm-Urkunde« oder den »Juliane-Bartel-Medienpreis«. Es existiert der weltweit ausgeschriebene »Anja Niedringhaus Courage in Photojournalism Award«. In Österreich jedoch gibt es nach meiner Recherche genau einen nach einer Frau benannten Journalistinnenpreis. Den von Katholischer Frauenbewegung und Kurier alle zwei Jahre vergebenen Herta-Pammer-Preis.

Pionierinnen im Journalismus

Dabei finden sich auch in Österreich Journalistinnen, die Pionierinnen waren. Spontan gibt es zwei, nach denen man unbesehen Preise benennen könnte. Damit ließe sich ihre Vorreiterinnenrolle für künftige Generationen von Journalistinnen wie auch Journalisten unterstreichen:

Alice Schalek

Zum einen wäre da Alice Schalek. Sie war die erste österreichische Kriegsberichterstatterin und Pressefotografin. Die Folge waren Anfeindungen und erfolgreiches Mobbing durch Karl Kraus, den sie dafür klagte. Mehr dazu in: »Rhetoriken über Krieg: Karl Kraus gegen Alice Schalek«

1924 wurde sie als erste Frau in den Presseclub Concordia aufgenommen. 1938 wurde sie von den Nazis vertrieben und emigrierte in die USA, wo sie 1956 starb. Informationen über und Beiträge von Alice Schalek finden sich etwa im Österreichischen Staatsarchiv.

Berta Zuckerkandl

Zum anderen wäre da Berta Zuckerkandl. Vielen heute als letzte Wiener Salonière bekannt, hat sie davor als Kulturjournalistin die Künstler der Wiener Sezession unterstützt, hat die Salzburger Festspiele mitbegründet und war nach dem Ersten Weltkrieg die bedeutendste außenpolitische Kommentatorin Österreichs. Genau wie Alice Schalek war auch Zuckerkandl Zielscheibe von Karl Kraus und musste als Jüdin 1938 vor den Nazis fliehen. Schwer krank starb sie 1945 in Paris.

Wenn mir bei solch kurzem Nachdenken zwei Pionierinnen einfallen, nach denen sich in Österreich JournalistInnenpreise benennen ließen, um damit Frauen in der Branche sichtbarer zu machen – um wieviel mehr fallen euch dann ein?

Wenn du einen – bestehenden oder erst noch ins Leben zu rufenden – Medienpreis in Österreich nach einer verstorbenen Journalistin zu benennen hättest: Welche Frau würdest du wählen? Ich freu mich auf deinen Kommentar.

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