Es bräuchte ein Frauenmagazin nach »Prisma«-Vorbild

Frauenmagazin – dieser Ausdruck klingt, als ginge es um optische Ansprüche des Patriarchats, also Mode, Make Up, Frisuren und – um ein wenig zu polarisieren – vielleicht auch noch um die Menopause. Alles Dinge, mit denen Männer nichts zu tun haben oder mit dem sie nicht behelligt werden sollen. Es klingt gleichzeitig nach den 1950er Jahren. Damals wie heute sollen sich Frauen hinten anstellen und sich mit den von Printmagazinen ausgerufenen »Frauenthemen« beschäftigen. Dabei ging es auch in den Medien schon einmal progressiver zu.

»Prisma« bildete die Lebenswirklichkeit von Frauen ab

Die Zeit der SPÖ-Alleinregierung von 1970 bis 1983 war gleichzeitig der Aufstieg und eine heute undenkbare Hochblüte des ORF. Neben der Aufbruchsstimmung gab es offenbar auch die Möglichkeiten, Inhalte beinahe ungehindert darzustellen und Vorstellungen zu verwirklichen. Ein heute vielfach vergessenes Beispiel dafür war im ORF-Fernsehen das Frauenmagazin »Prisma«. Die Diagonale Website schreibt dazu  »Besonders in der Ära Kreisky/ Dohnal gab es Impulse, das massenmedial gestaltete Weiblichkeitsbild den Lebenswirklichkeiten von Frauen anzupassen.«

Es ging also um nichts Weniger als die Wirklichkeit von Frauen abzubilden und ihnen nicht ein vorgegebenes Bild aufzudrängen.

»Prisma« hat über viele Jahre einmal im Monat mutige Frauen vor den Vorhang geholt, wie »die rote Landa«

Aber auch Antifaschistinnen, wie die Freiheitskämpferin Rosa Jochmann sind in Trautl Brandstallers Sendung zu Wort gekommen.

1981 wurde Brandstaller für dieses Porträt Jochmanns ausgezeichnet.

Mehr Zeit nehmen für ein Thema

Es war in jener Zeit eine kleine Freiheit, sich für ein Thema auch Zeit zu nehmen. Es nicht – wie heute – sofort abzuhaken und sich der nächsten Geschichte zuzuwenden. Genau diese Gemächlichkeit und Sachlichkeit bräuchte es auch heute wieder. Wenn Österreich schon seit Jahren auf Frauenpolitik verzichten muss, dann könnten sich doch der Öffentlich-rechtliche Rundfunk oder Private Fernsehsender Frauenthemen abseits von Kinderbetreuung, Teilzeitjobs und Altersarmut annehmen und damit vielleicht auch für dringend notwendige weibliche Vorbilder sorgen.

Der ORF selbst widmet der auch für heutige Begriffe so wichtigen und richtungsweisenden Sendung in seinem eigenen Archiv übrigens nicht einmal vier Minuten! – Anfänge des Fernsehens »Prisma«

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