Bitte mehr originalkommentierte Filme!

filmklappe-pixelbayMan kann sich Filme in der Synchronfassung im Fernsehen ansehen, bei denen der Abspann entfernt ist (Das geht alles auf die Sendezeit!) und einem danach nur der Plot in Erinnerung bleibt. Wie gesagt: Man kann. Man muss aber nicht. Sich Filme in Originalversion auf DVD oder Blue Ray anzusehen, bietet zumeist die Möglichkeit, in den Extras mehr über die Entstehung der Produktion zu erfahren. Und damit sind nicht etwa die witzigen Outtakes oder mitunter lahme Interviews gemeint, sondern begleitende Audiokommentare von Cast, Drehbuchautoren oder Regie.

Ich kann mich nicht erinnern, wann ein Jahr – bezogen auf die Kunst – trauriger begonnen hat als dieses. Noch ist man dabei, den plötzlichen Tod David Bowies zu verarbeiten, kommt die Nachricht vom Tod Alan Rickmans. Nicht nur, dass beide von jenen, die sie kannten, als feine Menschen beschrieben wurden und eine weltweite Fangemeinde hatten, waren sie auch noch gleich alt (69) und starben mit Krebs an der gleichen unsäglichen Krankheit, der man sie selbst an den Hals wünscht.

 

Dies soll aber kein Nachruf auf einen feinsinnigen Schauspieler werden, zu dem ich schon im letzten Film-Blogpost aus meiner Bewunderung kein Hehl gemacht habe, sondern war tatsächlich von mir vor wenigen Tagen zu einem Thema konzipiert, bei dem Rickman eine – wenn auch kleine – Rolle spielte.

Denn tatsächlich geht es – und jetzt kommt ein großer Schwenk – um das großartige Extra auf DVDs oder Blue Rays, Filme mit Originalkommentaren der Darsteller hören zu können. Nach meinem Dafürhalten sollte das das nächste große Ding werden. Es ist unglaublich, wie viel man mittels dieser kleinen Filmschule über eine Produktion lernen kann.

Im besten Fall sieht man sich wohl einen Film auf diese Weise an, den man schon einige Male gesehen hat und von dem man annimmt, dass er einem nichts Neues mehr erzählen kann. Aber Vorsicht! Man kann, wie sich unschwer an meine Euphorie bei diesem Thema erkennen lässt, sehr rasch angefixt werden. Bei mir war es „Sense and Sensibility“ unter der Regie Ang Lees.

Selten etwas Unterhaltsameres gesehen

Emma Thompson hat für ihr Drehbuch dazu 1996 den Oscar erhalten. Gefühlt habe ich den Film, in dem neben Thompson selbst auch Kate Winslet, Alan Rickman, Hugh Grant, Hugh Laurie und Imelda Staunton spielen, seither jedes Jahr gesehen. Er konnte mich also nicht mehr wirklich überraschen. Dachte ich. Und lag damit voll daneben. Ich habe selten etwas Unterhaltsameres gesehen, als einen Film, dessen Dialoge ausgeblendet sind und bei dem man stattdessen die Kommentare von Emma Thompson hört. Ich möchte bitte künftig jeden Film von ihr kommentiert bekommen!

Witzig ab der ersten Szene

Wie witzig sie ist, merkt man bereits ab der ersten Szene. Gleich zu Beginn, sagt Thompson noch ins Logo, sie erinnere sich an diesen Drehtag. Ihr Arm habe danach geschmerzt und sie habe den Schal behalten, da er sehr schön sei:

Sie lässt einen wissen, dass sie auf eine Szene ganz besonders stolz ist, da selbst belesene Menschen meinen, es handle sich um eine authentische Stelle aus dem Buch Jane Austens und ist doch von Thompson selbst erfunden:

Sie erzählt auf so unterhaltsame Weise, worum es unterm Strich bei Jane Austen geht: ums Geld – und darum, dass Frauen im 18. Jahrhundert nur durch Heirat vollständig wurden. Gemeinsam mit der Produzentin liefert sie Hintergrundinformationen über die Genauigkeit der Szenerie, des Bildes, der Kostüme und der damaligen Rituale, wie etwa, dass damals das Händeschütteln aufgekommen ist. Sie erwähnt, dass sie beim Schreiben bereits Hugh Laurie und Imelda Staunton in ihren späteren Rollen gesehen und ihnen diese Parts auf den Leib geschrieben hat. (Anm.: Beide haben bereits 1992 an der Seite Thompsons in „Peter’s Friends“ ein Ehepaar gespielt.) Thompson beschreibt, wie oft in dieser Produktion (und somit auch in Austens Originalvorlage) Personen in aller Öffentlichkeit das Herz gebrochen wird und plaudert intensiv über ihre Arbeit als Drehbuchautorin.

Es war zwar nicht das erste Male, dass ich einen Film, dessen Plot ich bereits kannte, mit Kommentaren gesehen habe. Emma Thompson allerdings hat hier eindeutig ihre Berufung gefunden.

Und so wundert es auch nicht, dass ausgerechnet sie, als Spezialistin für Worte in gesprochener und geschriebener Form, heute die berührendsten Zeilen zum Tod ihres Freundes Alan Rickman gefunden hat.

Emma_Thompson_zum_Tod_Alan_Rickmans

Ich freue mich über eure Kommentare.

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