Inspirationsquelle Frau für Biopics

Hedy_Lamarr_38Viele großartige Frauen haben Leben geführt, die man so spannend, wie sie letztlich verlaufen sind, kaum jemals erfinden könnte. Leben, die es wert wären, aufgezeigt und im besten Fall für ein großes Publikum verfilmt zu werden. Die filmische Wirklichkeit liefert uns jedoch vorrangig Biopics, die von Männern handeln. Noch. – Denn es könnte sich ein neuer Trend abzeichnen.

In Hollywood ist Feminismus derzeit ein großes Thema. Also echter Feminismus, der etwas für Frauen, aber nicht etwas gegen Männer will (wie es Anti-Feministen so gerne darstellen, um Frauenbilder des 19. Jahrhunderts zu bewahren): Jener, der für Frauen Gleichberechtigung und Selbstbestimmung einfordert. Man kommt dort wie leider auch andernorts aus dem Kopfschütteln nicht heraus, wenn man sich vor Augen hält, dass Frauen neben vielen anderen Benachteiligungen im 21. Jahrhundert für gleiche Arbeit noch immer nicht gleich bezahlt werden.

Fast reflexartig kommt hier mittlerweile das Argument, dass Frauen grundsätzlich weniger arbeiteten. Bezogen auf Hollywood zeigt sich aktuell, wie heuchlerisch das ist. Endlich gibt es mit „Grace & Frankie“ auf Netflix eine Serie mit zwei starken älteren Frauen in Hauptrollen (Jane Fonda & Lily Tomlin), mit ebenso außergewöhnlichen älteren Männern in Nebenrollen (Martin Sheen & Sam Waterston), schon stellt sich heraus: die Männer bekommen für ihre geringere Arbeit die gleiche Entlohnung wie die beiden Hauptdarstellerinnen! Da hakt es doch gewaltig.

Allein, dass diese Tatsache so rasch bekannt geworden ist und von den beiden Hauptdarstellerinnen öffentlich kritisiert wurde, zeigt aber ein erfreuliches Umdenken und gesundes Fairnessempfinden. Daneben ziehen auch die US-Regisseurinnen an einem Strang und zeigen bei shitpeoplesaytowomendirectors.tumblr.com auf, wie chauvinistisch und frauenverachtend Hollywood heute ist.

Für das breite Publikum bietet sich dank dieser Transparenz die Möglichkeit, an der Kinokasse eine Entscheidung zu treffen: Der Plot mag spannend sein, wenn aber nur Männer unter der Regie anderer Männer über die Leinwand laufen, entbehrt das jeder Realität. Dem kann man sich auch verweigern und Filme von und mit toughen Frauen unterstützen – und vielleicht auch inhaltlich noch positive Überraschungen erleben.

Biopics über Männer überschwemmen den Markt

Wer sich allerdings für Frauen-Biographien interessiert, kann sich den Weg ins Kino derzeit jedoch ohnehin ersparen. Es gibt sie aktuell nicht. In der jüngeren Vergangenheit handelten die in Hollywood produzierten Biopics vorrangig von Männern: „Milk“ über den kalifornischen Lokalpolitiker Harvey Milk, „The Butler“ angelehnt an das Leben von Eugene Allen, dem Butler vieler aufeinander folgender US-Präsidenten im Weißen Haus, „Dallas Buyers Club“, „The Theory of Everything“ über den Wissenschaftler Stephen Hawking sowie die beiden Musikerfilme „All Is By My Side“ über Jimi Hendrix und „Get On Up“ über James Brown. Und das ist nur eine kleine Auswahl.

Demnächst laufen an: „Steve Jobs“ über den Apple-Gründer, „End of the Tour“ über den Schriftsteller David Foster Wallace und „Love and Mercy“ über das Leben von Beach Boy Brian Wilson.

Auf der Liste für die nächsten Monate und Jahre finden sich beinahe im Wochentakt neue Filme, die zum Teil noch unter Arbeitstiteln laufen. Dazu zählen etwa: „Escobar“, „The Founder“ über McDonalds-Gründer Ray Kroc, „Ronald Reagan“, „Dag Hammerskjold“, „Mike Tyson“, „Steve McQueen“ und „Richard Pryor“.

Biopics über Frauen im deutschsprachigen Raum

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Dreharbeiten „Clara Immerwahr“ Arsenal (© Karin Fenz)

Bei den Frauen herrschte diesbezüglich in Hollywood zuletzt eher Flaute. Erwähnt sei aber, dass es Deutschland und Österreich in Ko-Produktion sehr wohl geschafft haben, Frauen-Biographien in Filmen herauszustellen. So etwa das vergessene Schicksal der Clara Immerwahr und jenes der Kärntnerin Inge Eberhardt, die in Burma einen Prinzen heiratete in „Der letzte Himmel über Burma“.

Tinseltown hat hingegen schon in der Vergangenheit bevorzugt auf die Verfilmung von Musikerinnen-Leben gesetzt; etwa mit „What’s Love Got To Do With It“ über Tina Turner oder Politikerinnen wie „The Iron Lady“ mit Meryl Streep als „Eiserner Lady“ Margaret Thatcher.

Filme über faszinierende Frauen sind im Kommen

Viele haben dieses Jahr nicht zuletzt wegen der Oscar-Rede Patricia Arquettes und der erwähnten Proteste und Aktionen als wichtiges Jahr für Frauen im Filmgeschäft bezeichnet. Mancher Produzent könnte sich davon anstecken haben lassen. Zumindest zeigt ein Blick auf künftige Biopics über Frauen: Sie kommen! Wenn auch nicht gleich.

Ein Fernsehfilm über die schwarze US-Sängerin der 1920er Jahre, Bessie Smith, mit Queen Latifah in der Hauptrolle wird in ein paar Wochen in den USA ausgestrahlt. Eben haben die Dreharbeiten zu einem Film über die US-Lyrikerin Emily Dickinson begonnen. Jene an einem Film über das tragische Leben der jung verstorbenen Motown-Sängerin Tammi Terrel sollen im nächsten Jahr starten und auch an Literaturnobelpreisträgerin Pearl S. Buck, Operndiva Maria Callas und die frühere First Lady der USA, Jackie Kennedy, soll filmisch erinnert werden.

Wenn man genauer hinsieht, scheinen Biopics über Frauen also doch langsam zum Trend zu werden. Dabei hätte Hollywood schon längst bei sich selbst Anleihe nehmen und die eigenen frühen weiblichen Leinwandstars wieder aufleben lassen können.

Es gilt noch viele interessante Frauen zu entdecken

Mary Astor hat vor mehr als einem halben Jahrhundert ihre Biographie „My Story“ verfasst, die damals ein Bestseller war und bis heute einer Verfilmung harrt.

Das faszinierende Leben der Ruth Chatterton würde sich auf einer Leinwand oder auch einem Small Screen ebenfalls gut machen. Sie war an der Schwelle zum Tonfilm nicht nur einer der ersten großen weiblichen Stars, sondern auch Pilotin, Fluglehrerin und später Schriftstellerin.

Die Frau, die in ihrer Karriere 35 Mal für einen Oscar nominiert war und den Academy Award achtmal bekommen hat, würde allein schon wegen der Kostüme unter Garantie ein Renner an den Kinokassen: Die legendäre Kostümbildnerin Edith Head. Bekommen hat sie ihre Oscars übrigens unter anderem für „All About Eve“, „Roman Holiday“ und „Sabrina“.

Die im Vorjahr verstorbene wunderbare Maya Angelou wäre es wert, dass man sich ihrer in einer Filmbiographie würdevoll erinnert.

Und wie großartig wäre es, würde sich Hollywood des Lebens jener Wienerin annehmen, die die Vorlage für „Grand Hotel“ geliefert hat – und damit für den ersten Tonfilm mit All Star Cast überhaupt: Vicki Baum

Aber das entsprechende Drehbuch dazu muss wohl ebenso erst noch geschrieben werden, wie jenes zur Biographie einer anderen Hedwig aus Wien: Hedy Lamarr. Vielleicht ist nun aber allein schon die Erwähnung eine Anregung für die eine oder andere, sich daran zu versuchen.

Die Aufzählung ließe sich noch endlos weiterführen. Welche Frauen-Biographien würdet ihr gerne verfilmt sehen?

Großartige Frauen nicht im Film, sondern in diesem Blog finden sich schon demnächst in der neu geschaffenen Interview-Rubrik „Drei Fragen an Freitagen“.

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