Eine Österreich-Radio-Rundfahrt mit Schwächen

Eine Österreich-Radio-Rundfahrt mit Schwächen

smartphone_weiß_appsDie Möglichkeiten, Radio zu empfangen, werden immer vielfältiger. Neben dem klassischen Radiogerät daheim oder dem Autoradio, kann man Sender etwa auch übers Internet im Stream oder via App empfangen. Was liefern die heimischen Sender beim kurzen Reinhören ab – und hält eine dieser populären Apps, was sie verspricht?

Heute habe ich mich spontan zu einem Radiomarathon entschlossen. Die selbstgestellte Aufgabe lautete, einen Vormittag lang etwa im Halbstundentakt private Radiosender über die TuneIn App am Smartphone zu hören. Man könnte jetzt meinen, das wäre eine Vorbereitung auf die nächste Radiobroadcaster Ausbildung, die im Herbst startet. Natürlich ist es auch das. Aber als Vorbereitung auf so intensive Ausbildungswochen für Österreichs ambitionierten Radionachwuchs wäre ein Vormittag eindeutig zu wenig. Als jemand, der viel und abwechslungsreich Radio hört, galt es einfach, einen Focus auf heimisches Privatradio zu legen – und endlich einmal die App intensiv zu testen.

Ich schätze die Gratis-App TuneIn schon seit mehreren Monaten. Immerhin bietet sie laut Begleittext mehr als 100.000 Sender und Podcasts – und damit so viele, wie keine andere App. Allerdings bin ich mittlerweile festgefahren, was Sender betrifft. Ich switche täglich zwischen wohl nicht mehr als etwa 10 Stationen – international wohlgemerkt. Da hieß es jetzt, die Komfortzone zu verlassen und zu schauen, welche österreichischen Privatradiosender die App fehlerfrei liefert und was diese Sender einer Hörerin bei einer durchschnittlichen Verweildauer von unter einer halben Stunde bieten.

Dion-air-mikroe Zusammenstellung erfolgte wahllos und ungereiht. Es sollten nach Möglichkeit nur jedes Bundesland und die beliebtesten österreichischen Privatradiosender vertreten sein. Auch bei den Musikkategorien oder der Musikauswahl als solcher erfolgte keine Einordnung. Die Rotation der Musiktitel konnte man angesichts der Verweildauer ebenfalls getrost außer Acht lassen. Schließlich hat jeder dieser Sender eine andere Zielgruppe und entsprechend ein anderes Format.

Getestet wurde, ob Männer oder Frauen in Moderation und Nachrichten zu hören waren, welche Sprache bei der Musik am häufigsten vertreten war, wie hoch Wortanteil und Infogehalt bei den Sendern in dieser kurzen Zeitspanne sind und – ganz klar: ob die App verlässlich läuft!

9 österreichische Stationen an einem Vormittag

Um 7:30 Uhr konnte es losgehen. Den Anfang machte Radio Energy. Eine halbe Stunde lang war immer wieder ein aufgeregter Moderator zu hören, der einen mit einem kurzweiligen Gewinnspiel und ausschließlich englischsprachiger Musik weckte. An seiner Seite bei den Nachrichten war ebenfalls ein Mann. Erfreulich war nicht nur, dass die am Gewinnspiel beteiligten Hörerinnen gewonnen haben, sondern auch, dass die App eine halbe Stunde verlässlich lief.

Um 8:00 Uhr folgte der erste Senderwechsel zu Life Radio Oberösterreich. Hier gab’s einen souveränen Moderator mit einer Nachrichtenfrau an seiner Seite. Die Morning Show war auch hier klassisch mit höherem Wortanteil, lokalen Berichten, einem Gewinnspiel und als einziger Sender auch Comedy mit Lokalbezug. Die Musik in der beobachteten halben Stunde war abwechslungsreich und sowohl englisch- als auch deutschsprachig. Die App allerdings setzte nun mehrmals aus.

Die App zeigt massive Schwächen

Daher ging es um 8:31 Uhr weiter zu Antenne Kärnten und einem Moderatorenpaar mit angenehmen und deutlichen Sprechstimmen samt einem Nachrichtenmann. Begleitet von ausschließlich englischsprachiger Musik war der Wortanteil gefühlt für eine Morningshow sehr gering. Was aber auch an der hakenden App liegen konnte. Sie zeigte hier bereits sehr viele und lange Unterbrechungen, die am Ende ein Delay von 7 (!) Minuten ergaben. – Um 9:02 Uhr begannen über die App die Nachrichten um 8:55 (!) Uhr.

Nach dieser bisher schlimmsten Erfahrung mit der App hieß es schnell umschalten auf die nächste Antenne – diesmal Antenne Salzburg und wieder einem Moderatorenpaar und einem Nachrichtenmann. (Alle drei nicht identisch mit dem Team von Antenne Kärnten.) Aufgefallen sind hier der geringe Wortanteil und Infogehalt, obwohl die Morning Show auch nach 9:00 Uhr noch lief sowie die ebenfalls ausschließlich englischsprachige Musik. Allerdings war von der ausgewählten halben Stunde nicht alles zu hören, denn die App verweigerte bereits das Einwählen und musste völlig neu gestartet werden.

Ein App-Neustart lässt unterbrechungsfrei hören

Um 9:37 Uhr ging es ein klein wenig entnervt von der App weiter zu 88.6. Diesmal allerdings habe ich TuneIn zuvor geschlossen und vor dem Aufrufen des Senders neu gestartet. Die Folge war: keine einzige Unterbrechung! Somit konnte ich über weite Strecken unmoderiert englischsprachiger Musik lauschen. Schließlich hat sich aber auch hier gezeigt, dass der Sender an diesem Vormittag eine souveräne Moderatorin mit einem Nachrichtenmann an ihrer Seite beschäftigt.

Die Vorfreude war jetzt groß, dass die App ab 10:00 Uhr beim Umschalten auf KroneHit einwandfrei funktionieren würde. Was folgte war die Freude über abwechslungsreiche deutsch- und englischsprachige Musik und Enttäuschung über eine App, die neuerlich mehrmals aussetzte. Zu entnehmen waren aber eine Moderatorin mit einer Nachrichtenfrau an ihrer Seite und ein an Vormittagen üblichen geringer Wortanteil mit geringem Infogehalt.

Um nur ja alle großen Sender im Test abzudecken, ging es um 10:31 Uhr weiter zu Radio Arabella. Auch hier waren eine Moderatorin und eine Nachrichtenmoderatorin zu hören. Die Musik im Testzeitraum war ausschließlich englischsprachig und es gab einen Hörertalk im Rahmen eines Gewinnspiels. Die App aber wollte sich trotz eines Neustarts vor der Senderauswahl nicht mehr so recht an meinem Test beteiligen und kündigte langsam einen Streik an.

Um 10:54 Uhr stoppte ich die App daher wieder und startete sie neu. Diesmal mit Antenne Steiermark als Teststation. Auch hier zeigte sich ein klassischer Vormittag mit nur wenig Wortanteil der Moderatorin, aber abwechslungsreicher deutsch- und englischsprachiger Musik. Die meisten Infos gab’s vom Nachrichtenmann. Die einzige Enttäuschung war auch hier die Performance der App: Sie hat trotz des erwähnten Neustarts mehrmals ausgesetzt.

Dennoch machte es sich ein Lächeln spürbar in meinem Gesicht gemütlich, als ich um 11:24 Uhr Life Radio Tirol anwählte. Nachdem sich Antenne Tirol auch nach mehrmaligen Versuchen nicht öffnen ließ, sollte das jetzt die letzte Station im Test sein. Der Moderator und die Nachrichtenmoderatorin klangen freundlich und deutlich, einer aufgeregten Hörerin wurde mit sanfter Stimme ein Musikwunsch erfüllt und die gehörte Musik war ausschließlich englischsprachig. Von eine halben Stunde Test waren alles in allem jedoch auch nur etwas mehr als fünf Minuten zu hören. Den Rest der Zeit über hat sich die App bedauerlicherweise mehr mit sich selbst beschäftigt, als ihrer eigentlichen Aufgabe nachzukommen.

Kein Geschwindigkeitsrausch bei der Österreich-Radio-Rundfahrt

Gelernt habe ich nun aus diesem mehrstündigen Test an einem erhofft entspannten Vormittag: Der Geschwindigkeitsrausch bei dieser Österreich-Radio-Rundfahrt ist ausgeblieben! Ein einfaches Switchen zwischen den Stationen ist bei TuneIn nicht möglich. Sie lädt bei den einzelnen Sendern unterschiedlich lange nach. Nach jeder dieser Aktualisierungen folgt der immer gleiche Werbespot. Keine Frage, die App ist gratis, da ist Werbung in Ordnung. Aber das permanente Nachladen, die langen Pausen und das entsprechend ständige Hören dieses einen Spots nerven gewaltig. Fürs bessere Hörvergnügen ist es notwendig, die App zu schließen und neu zu starten. Patentlösung ist das aber keine, denn vor Unterbrechungen ist man auch dann nicht gefeit.

Anders als an der Performance der App gibt es an jener der großen österreichischen Privatradios nichts zu bemängeln. Vielmehr zeigt sich, dass in diesem Berufsfeld Frauen und Männer gleichberechtigt ans Mikro dürfen.

Als Hörerin bleibt nun nur noch die Möglichkeit Radio online nicht am Smartphone, sondern über die TuneIn-Site am Desktop zu hören. Und natürlich ist es keine Frage: Die Sender selbst hätten es wohl am liebsten, man würde den Stream auf ihrer jeweiligen Website nutzen. Aber das gehörte hier und heute nicht zur selbstgewählten Aufgabenstellung.

Welche ist eure bevorzugte Art, Radio zu hören. Welche Erfahrung habt ihr mit Radio-Apps wie TuneIn gemacht?

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