Drei Fragen an Freitagen: Elisabeth Blum

 

Elisabeth_Blum

Foto: © Elisabeth Blum privat

In Sachen Multimedia ist man bei Elisabeth Blum in guten Händen. Vor Jahren ist die Vorarlbergerin ihrer Leidenschaft gefolgt und hat sich in Wien als Videojournalistin selbständig gemacht. Immer offen für Neues und für Veränderung, leitet sie heute die Multimedia Unit einer internationalen Tierschutzorganisation an deren Hauptsitz in Wien. Bei Drei Fragen an Freitagen liefert sie speziell Technik affinen Frauen aufschlussreiche Antworten.

 

Dein Ausbildungsweg ist beeindruckend. Du bist Cutterin, Kamerafrau, Grafikerin, hast aber auch ein Studium der Publizistik, Kunstgeschichte und Völkerkunde absolviert. Welche Ausbildung war denn speziell hilfreich für das, was du heute machst und welche wäre aus heutiger Sicht verzichtbar gewesen?

Nun, oberflächlich betrachtet waren es natürlich meine grafische Ausbildung und das Publizistikstudium, die mich am meisten weitergebracht haben. Ich hab beruflich aber sicher einige Umwege gemacht, auch während und nach dem Studium. Ich wollte immer alles ausprobieren und mich nicht festlegen. Nicht alles hat sich gleich im großen Geldregen niedergeschlagen. Aber verzichten möchte ich aus heutiger Sicht auf keine einzige dieser Erfahrungen.

Ich weiß, das klingt abgedroschen, aber jeder Zickzackkurs erweitert auch das Blickfeld. Und auch wenn ich heute zum Beispiel nichts direkt mit meinem Kunstgeschichtestudium anstelle, so hat es mich doch gelehrt, genau hinzuschauen, nicht alles Unscheinbare im Hintergrund als gegeben hinzunehmen. Meine Kunstgeschichtsstudium hat mich außerdem auch Respekt vor den Werken anderer gelehrt. Und mein Völkerkundestudium wiederum nährte meine unstillbare Neugierde auf die unterschiedlichen Lebensstile anderer Kulturen.

Neben einer Ausbildung für deinen Beruf braucht es aber wohl auch spezielle Fähigkeiten und Talente. Welche sollte man denn für den Multimediabereich mitbringen?

Leidenschaft, Wertschätzung und Neugierde. Das ist der Motor für alles im Leben. Und speziell im Multimediabereich: Leidenschaft und Wertschätzung für Bilder und Geschichten. Das Gesamtwerk ist nicht einfach so vom Himmel gefallen. In jedem guten Foto oder Zeichnung hat sich der Künstler oder die Künstlerin viel überlegt, und das gilt es herauszufiltern und an seiner/ihrer Leidenschaftlichkeit teilzuhaben. Nur so lernt man und wird besser in dem was man macht. Dasselbe gilt natürlich für Videos/Filme oder Schriftstücke.

Der Multimediabereich erscheint vielfach als Männerdomäne, wenn du nun für Frauen in diesem Bereich einen Wunsch frei hättest – welcher wäre das?

Ich denke schon, dass der Multimediabereich nach wie vor männlich dominiert ist. Aus irgendeinem Grund sind noch immer mehr Männer in der Technik und Frauen oft in kreativen Berufen. Und der Multimediaberuf ist nun mal zu einem großen Teil ein technischer. Aber mir kommt vor, dass das Phänomen der überwiegenden Männer im Multimediabereich zunehmend schwindet, da es neben all dem Technischen auch eine Branche ist, in der sehr viel kreatives Knowhow und auch Mut zum kreativen Schaffen verlangt werden. Und ich glaube, da sind wir Frauen – warum auch immer – stärker. Und genau diesen Mut und diese Stärke wünsch‘ ich Frauen, die im Multimediabereich arbeiten und sich behaupten wollen.

Lasst euch nicht verunsichern, wenn ihr nicht alle Kamera-, Internet- oder sonstigen Details kennt! Ihr seid trotzdem gut! Besser sogar als eure männlichen Kollegen, denn Technik lässt sich erlernen. Kreativität nicht. Wenn euch die Technik interessiert: super. Wenn nicht, setzt euch dennoch damit auseinander. Das bringt euch nicht nur den Respekt eurer männlichen und weiblichen Kollegen, sondern macht euch auf unabhängiger.

Nach den Drei Fragen an Freitagen hätte ich abschließend noch gerne gewusst, woher nimmst du deine Motivation, was hält dich im Leben zusammen?

Mein Motor ist sicher, wenn ich sehe, dass meine Geschichten funktionieren, wenn sie das vermitteln und auslösen, was ich beabsichtigt habe, wenn sie die Welt einen Hauch besser machen, weil die Leut‘ aufgerüttelt werden und im Idealfall handeln, anstatt sich nur zu berieseln und dann auf den Zustand der Welt schimpfen. Das motiviert.

 

Wie nehmt ihr den Multimediabereich wahr? Anregungen und Kritik zum Interview in den Kommentaren sind willkommen.

Drei Fragen an Freitagen
Vorbilder haben den Anspruch, dass sie uns leiten, uns Anregung sind. Für Männer gibt es seit Jahrhunderten Rollenvorbilder zur Genüge, an denen sie sich orientieren können – oder eben nicht. Das ist gut so. Allerdings ist es auch hoch an der Zeit, Frauen mittels aktueller Biografien entsprechende Möglichkeiten für ihren Lebensweg aufzuzeigen. Diese wöchentliche Porträt-Reihe widmet sich diesem Anliegen. „Drei Fragen an Freitagen“ stellt Frauen vor, die bereits über lange Jahre schreibend, sprechend und/oder in einem Medienberuf tätig sind und im Gespräch ihr Wissen weitergeben.

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